Bewusst oder unbewusst leer?

Kernkompetenzen der Zukunft

Was erwartet dich?

Stille braucht Übung, zuerst einmal ist das (vermeintliche) Nichtstun langweilig. Doch nachdem du es zugelassen hast, kann es eine Chance sein, um kreativer und innovativer zu werden.

Bewusst oder unbewusst leer?

Der Zustand der Leere ist ein Mangel – wirklich?

Kürzlich habe ich einen Artikel in einer renommierten Zeitschrift gelesen mit der Überschrift

„Der Zustand der Leere ist ein Mangel“

Das hat mich irritiert und zum Nachdenken angeregt.

Ich möchte es mir gerne mit dir zusammen anschauen und meine Sichtweise teilen.

Um das vorweg zu nehmen: Meine Gedanken gehen genau in die andere Richtung, denn ich befürworte eine gefühlte Leere. 

Wir müssen aufpassen und nicht Äpfel mit Birnen vergleichen

Eine Definition:

Gefühlte Leere aus medizinischer Sichtweise ist ein Fall für professionelle Therapeuten.
Fühlst du dich von deinem Körper und deinen Gefühlen abgeschnitten und getrennt, erscheint dir alles sinnlos und du bist rat- und hoffnungslos, bitte wäge ab, ob du ärztliche und/oder therapeutische Hilfe einholen möchtest.

Es ist ein schleichender Prozess, doch plötzlich kann wirklich ein ernstzunehmender Zustand für deine Gesundheit eintreten.

Fühlst du dich leer und kraftlos, kann eine emotionale Erschöpfung oder gar ein Burn-Out drohen. Bitte nimm‘ die Signale deines Körpers ernst.

Ich möchte mit dir heute den Blick auf die gewollte und bewusst gewählte Leere werfen.

Sozusagen der Prozess andersrum:

Anstatt erschöpft, überlastet und von Reizen überflutet, gehen wir in das Gegenteil – dem bewussten entleeren.

Deine erste Aufgabe zur Eigenbeobachtung

Folge bei den kommenden Fragen deinem ersten Impuls und schreibe dir diesen Impuls auf:

  • Wie interpretierst du Leere?
  • Hast du ein Bild vor Augen?
  • Kannst du ein Gefühl beschreiben?
  • Ist das Gefühl eher positiv oder negativ behaftet?
  • Was ist überhaupt leer?

In der Eigenbeobachtung erhältst du sehr viele Antworten. Ich bin mir sicher, dass nicht alle Antworten angenehm sind.

Da komme ich nun auf den gelesenen und beschriebenen Artikel zurück.

Leere kann Angst machen.

Leere kann das Gefühl von Ziel- und Nutzlosigkeit vermitteln.

Aber es gibt noch mehr….

Ist inneres Lauschen unpopulär?

In meiner Arbeit stelle ich immer wieder fest, wie Stille, Besinnung und inneres Lauschen im ersten Schritt keinen populären Anklang findet.

Das hat mehrere Gründe:

  1. Beschäftigt sein bedeutet, wichtig zu sein! Die Menschen lieben die Dauerbeschallung, das ständig beschäftigt-sein, die überquellenden Kalender. Dann erscheint die Welt „eigentlich“ in Ordnung zu sein: gesellschaftliche Anerkennung, es vermittelt das Gefühl gebraucht und geliebt zu werden und es wird im Leben nichts ausgelassen und verpasst.
  2. Stille ist unattraktiv. Vermeintlich passiert da nichts. Die Gesellschaft wurde die letzten Jahrzehnte auf Erlebnisse getrimmt. Mit den Erlebnissen geht ein gewisser Suchtfaktor einher. Biologische Faktoren beeinflussen das Nervensystem: bestimmte Verhaltensweisen (z.B. Adrenalin-Kick durch Extremsportarten oder Endorphine werden beim Shoppen ausgeschüttet) können das Belohnungssystem des Zentralnervensystems aktivieren. „Danach“ macht sich ein gutes Gefühl im Körper breit, das Nervensystem hat sich das gemerkt und ruft nach Wiederholung! Viele Menschen haben förmlich eine Ablehnung gegen Stille und Rückzug.
  3. Stille muss ausgehalten werden. Bereits nach einigen Tagen des Rückzugs melden sich Gedanken, Erinnerungen und Erlebnisse, die nochmals angeschaut werden wollen. Der Mensch schaut lieber weg, als hin, denn es ist einfacher….

Stille braucht Übung, zuerst einmal das (vermeintliche) Nichtstun zuzulassen und es dann noch als Chance, ein kleines Stück mehr zu sich zu kommen, anzunehmen. Einen bestimmten Zeitraum mit sich allein zu sein und seinen Gedanken freien Lauf zu lassen, das lässt merkwürdige Dinge passieren: plötzlich tauchen Bilder und Geschehnisse wieder auf, die im Unterbewusstsein schlummerten. Sie sind meist gut eingepackt und warten darauf, irgendwann wieder ans Tageslicht zu kommen.

Diese inneren Bilder kommen dann meist ohne Vorankündigung und du darfst dich ihnen stellen. Sozusagen von Angesicht zu Angesicht

Das können durchaus positive Dinge und Erinnerungen sein, doch auch weniger schöne Erinnerungen.

Es gilt, sich diese Dinge in Ruhe anzuschauen, zu reflektieren und gegebenenfalls die Situation durch ein Gespräch zu klären.

Was bei Müßiggang wirklich passiert

Stille Wasser sind tief….

Einfach nur ein Kalendersprüchlein, oder ist da was dran?

In Momenten des Müßiggangs zeigt sich die wahre Essenz.

Müßiggang ist NICHT Langeweile, sondern das bewusste Nichtstun, den Gedanken freien Lauf lassen und sich für einen Moment von Pflichten zu befreien.

Was meine ich mit Essenz?

Es entsteht innere Klarheit.
Anfänglich sind die inneren unruhigen Stimmen sehr laut (z.B. der Antreiber: „das geht doch nicht!“, oder der Kontrolleur „hast du schon XYZ erledigt?“). Einfach mal achtsam zuhören!
Diese inneren Stimmen, die meist sehr kritisch agieren, sagen sehr viel über dich und dein Innenleben aus.
Aus der Arbeit nach Schulz von Thun mit dem inneren Team werden die Saboteure aufgedeckt. Wichtig ist zu wissen, dass jede Stimme durchaus eine Berechtigung haben kann.
Der innere Dialog offenbart schnell zwei Seelen in der Brust, welche zu einer Zerrissenheit führen können.
Durch achtsames Zuhören kann Schritt für Schritt Klarheit entstehen.

In meinem Abo Modell „Klarheitsgespräch“ führe ich mit meinen Klienten immer wieder die Arbeit mit dem Inneren Team nach Schulz von Thun durch. Mehr Informationen findest du HIER.

Wie geht Müßiggang?

Poeten, Philosophen und Künstler sind gerne Müßiggänger.
Sie schöpfen aus dem „Gang-zurück-schalten“.
Es ist wissenschaftlich erwiesen (z.B. Charles Hillman von der Universität Illinois erforschte in einer Untersuchung mit 240 Probanden die Hirnfunktionen nach kurzen bewegten Pausen wie kurze Spaziergänge), dass die Kreativität gesteigert wird und Entscheidungsfindungen leichter fallen. Die kognitiven Leistungen steigen nach einer kurzen Unterbrechung der fokussierten Konzentration.
Siehe in diesem Zusammenhang auch gerne meinen Blogartikel DIE WAHRNEHMUNG AUF EIN NEUES LEVEL HEBEN.

Lädt uns nun nicht das süße Nichtstun, eine kreative Pause, oder ein kleiner Spaziergang im Park oder Wald ein, um Neues zu kreieren?

Definitiv ist es ein Weg, um mehr innovative Impulse im Businessalltag zu platzieren!

Ein Akt bodenständiger Spiritualität

Für mich persönlich ist das Leer-Sein ein spiritueller Akt.

Du kannst es auch mit der Annäherung an einen persönlichen Nullpunkt oder dem Drücken der Reset Taste verstehen.

Durch Einzug von Stille und dem Zurückziehen der Sinne (nach dem achtgliedrigen Pfad des Patanjali im Yoga Pratyahara genannt) bist du plötzlich auf dich selbst reduziert. Du darfst lernen, dir zu begegnen, deinen Gedanken, deinen Verhaltensweisen und Gewohnheiten.
Dir nun selbst authentisch und ehrlich zu begegnen, dich deinen Empfindungen und Wahrnehmungen zu stellen, bedeutet für mich eine wahre Meisterschaft.
Definitiv leichter und bequemer ist es, wegzuschauen, zu flüchten oder sich abzulenken.

Das Erreichen einer neuen Bewusstseinsstufe ist ein Prozess des Loslassens, des Sterbens von alten nicht mehr passenden Mustern und einem Aufbruch zu einem neuen Ich.
Es ist ein JA-Sagen zum Leben, des inneren Friedens und ein klares Bekenntnis für die eigene Zukunft und Weiterentwicklung.

Um nun den Kreis zu schließen und auf den anfänglich erwähnten Artikel zurück zu kommen, möchte ich hier noch mal betonen, dass der Zustand der bewusst gewählten Leere ein sehr erfüllender Moment sein kann.

Hierzu biete ich in regelmäßigen Abständen diverse Veranstaltungen und Retreats an, das nächste Mal am 2. Adventswochenende am Tegernsee.

Dort ist Raum für innere Klarheit. Du findest zu deinem wahren Kern, raus aus dem Lärm des Alltages und hin zu deinem starken WOFÜR.

Ein starkes WOFÜR ist eine intrinsische Motivation, die dich darin unterstützt, dich, dein Team und dein Unternehmen weiter zu entwickeln und deine persönliche Note zu verabreichen.